Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.

 

Liebe Gemeinde,

stellen Sie sich vor, dass sich zwei ehemalige Klassenkameraden nach langer Zeit wieder treffen. Da gibt es viel zu reden. Der Eine legt Fotos auf den Tisch und sagt: Mein Haus, mein Auto, mein Boot. Sie wissen, wie es weitergeht. Der Andere legt auch seine Fotos auf den Tisch und kontert. Dieser Werbespot der Sparkasse ist mir spontan zu dem heutigen Predigttext eingefallen. Er steht bei Jeremia im Kapitel 9. Ich lese die Verse 22 und 23:

 

22 So spricht der HERR: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. 23 Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der HERR bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der HERR.

 

Vielleicht verstehen Sie jetzt, dass mir der Werbespot eingefallen ist. Die zwei Herren sind einfach so eingebildet und von sich überzeugt. Genauso wie es nicht sein soll. Zumindest nach dem Propheten Jeremia.

 

Ich habe Ihnen ein weiteres Beispiel mitgebrach:

 

Es war einmal ein Mann, dessen Leben einmal planmäßig verlaufen war. Er war wohlbehütet aufgewachsen und hatte eine ordentliche Schulausbildung gehabt. An der Universität hatte er mit großem Erfolg Betriebswirtschaft und Jura studiert und mit besten Noten seinen Doktor gemacht. In einem Konzern fand er Anstellung und machte dort eine beispiellose Karriere. Er wurde der jüngste Manager im Lande. Kurz nach dem Studium hatte er eine junge Frau kennen gelernt, die aus einer vermögenden und einflussreichen Familie stammte. Die beiden heirateten und bekamen zwei Kinder. Sie wohnten eine teure Villa in einem vornehmen Stadtviertel. Kurzum, unser Mann war ein Erfolgsmensch, wie er im Buche steht. Alles glückte ihm, alles schien er völlig im Griff zu haben. Er konnte wirklich stolz auf sich sein. Er wurde beneidet wegen seiner Erfolge. Er wurde gefürchtet wegen seines Durchsetzungsvermögens. Er wurde bewundert wegen seiner blitzschnellen und genauen Auffassungsgabe. Wie gesagt: ein Erfolgsmensch, der alles im Griff hatte.

Nur beliebt war er nicht, dazu hatte er sich doch zu viele Feinde geschaffen. Auch seiner Frau war klar geworden, dass bei ihm alles in berechnender Weise geschah. Wenn er Gefühlsregungen zeigte, dann gegenüber den beiden Kindern, der sechsjährigen Petra und dem neunjährigen Manfred gegenüber. Eines Abends war er zu einer Cocktailparty eingeladen. Es war spät geworden, bis er nachhause kam. Er hatte dabei wohl etwas zu viel getrunken. Am nächsten Morgen hatte sein Fahrer frei, seine Frau musste sich um den kranken Jungen kümmern, und so hatte er selbst seine Tochter in die Schule zu fahren. Das hatte er schon oft gemacht: die Strecke kannte er wie im Schlaf. Doch als er an einer Kreuzung abbiegen musste, übersah er die rote Ampel. Er erkannte zu spät die heranfahrende Straßenbahn, gab instinktiv noch mehr Gas, der Wagen schoss nach vorn, aber schon trafen die beiden Puffer den Fond des Wagens, wo seine Tochter saß.

Die rechtlichen Folgen dieses Unfalls - die Tatsache, dass er noch Restalkohol im Blut hatte - waren für ihn als einflussreichen Wirtschaftsjuristen kein so großes Problem. Aber seine Tochter war schwer verletzt, das linke Bein musste amputiert werden. Wochenlang schwebte sie zwischen Leben und Tod. Zu ersten Mal in seinem Leben hatte er die Situation nicht mehr im Griff! Die traurigen Blicke seiner Tochter, die abweisende Zurückhaltung seiner Frau konnte er nicht ertragen. Er begann übermäßig zu trinken und ließ sich immer mehr gehen. Das hatte natürlich auch Auswirkungen auf seine Arbeit. Seine Fehlentscheidungen häuften sich. Man begann hinter seinem Rücken über ihn her zu ziehen. Eines Tages wurde er zu Konzernchef gerufen. Dieser teilte ihm mit, dass er eigentlich für den Betrieb nicht mehr tragbar sei. Die Kündigung sei eigentlich eine beschlossene Sache. Er selbst, der Konzernchef, habe sich dafür verwandt, ihm noch einmal eine letzte Chance zu geben. Er solle in einer Klinik noch heute eine Therapie beginnen. Er sagte: "Entweder sie fahren noch heute dorthin, oder wir müssen uns sofort von Ihnen trennen!" So kam es, dass sich unser einst so erfolgreicher Mann in der Klinik wiederfand, zusammen mit solchen Versagern, die er immer verachtet: mit Alkoholikern, Drogenabhängigen, Tablettensüchtigen und anderen Menschen mit schweren Problemen. Nun musste er selbst mühsam begreifen, dass er selbst versagt hatte.

Sein Therapeut war sehr streng mit ihm. Immer wieder hielt er ihm einen Spiegel vor. So aber lernte unser Mann, dass er selbst eigentlich ein schwacher Mensch war. Er lernte seine eigene Schuld, seine eigene Schwächen und Fehler zu akzeptieren. Er lernte auch die Schicksale und Schwächen seiner Mitmenschen anzuerkennen. Schritt für Schritt lernte er, dass es im Leben wichtigeres gibt als Erfolge, Karriere und Reichtum. Dabei half es ihm, dass sein Therapeut ein sehr religiöser Mensch war, der ihm etwas von der Vergebung Gottes sagen konnte.

Mit Gottes Hilfe wurde unser früher so erfolgreiche Manager ein neuer Mensch. Er fand den Weg in seine Familie zurück. In der Firma nutzte er die neue Chance, die man ihm geboten hatte. Er konnte nun zuhören, er konnte Güte vermitteln und fand auch Verständnis für seine Mitarbeiten, wenn sie ihre Schwierigkeiten hatten. Durch Verständnis gelang es ihm, die Angestellten seiner Abteilung besser zu motivieren als es früher der Fall gewesen. Die Erfolge stellten sich wieder ein, doch unser Mann war nun ganz bescheiden geworden.

 

Es ist wichtig, dass wir erkennen, dass Gott in uns groß sein will und kann. Dafür sollen wir ihn rühmen und ehren. Jesus will, dass wir Schätze für den Himmel sammeln und nicht für dieses Leben. Dafür sollen wir klein sein, dass Er in uns groß sein kann. Der vielbelobte und vielgerühmte Johann Sebastian Bach hat seine Werke und Kompositionen mit 3 Buchstaben unterschrieben. S.D.G. Das ist die Abkürzung für Soli Deo Gloria. Bach war wichtig, dass Gott allein die Ehre gebührt. Im besten Sinne unseres Predigttextes. So wünsche ich uns, dass am Ende unseres Lebens und Handeln auf dieser Erde die Ehre und der Ruhm Gottes durchscheint.

 

Und so spreche ich Amen – und das heißt, so soll es sein

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, regiere unsere Herzen, in Jesu Christus      Amen